Kreuzweg auf den Heiligen Berg

Der Kreuzweg auf den Heiligen Berg in Mikulov zählt zu den ersten Wallfahrtsstätten Südmährens. Er ist einer der ältesten Kreuzwege der Böhmischen Kronländer und umfasst insgesamt 17 Bauwerke: 14 Kreuzwegkapellen, die St. Sebastiankapelle, den Glockenturm sowie die Heilig-Grab-Kapelle.


BeispielbildDer Kreuzweg symbolisiert den letzten Weg Jesu Christi von Jerusalem auf den Hügel Golgota (Kalvarienberg), wo er gekreuzigt wurde. Die Tradition der Kreuzweganlagen reicht bis in das frühe 15. Jahrhundert hinein. In den Anfängen, als die ersten Kreuzwege errichtet wurden, war die Anzahl der Stationen sehr uneinheitlich. (Es gab 7 aber auch 31 Stationen.) Gefestigt hat sich sein heutiges Aussehen mit 14 Stationen erst im 17. Jahrhundert in Spanien, von wo es sich über andere Länder ausbreitete.

Der Kreuzweg von Mikulov, deutsch Nikolsburg, wurde vom Olmützer Bischof Kardinal Franz Seraph von Dietrichstein (1570-1636) gegründet, der zugleich die Nikolsburger Herrschaft innehatte. Dieser ließ ihn auf dem damaligen Tanzberg anlegen (der seitdem Heiliger Berg heißt.) Einer der Beweggründe für die Errichtung des Kreuzweges war das Bemühen, die Dankbarkeit Gott gegenüber dafür auszudrücken, dass die Pest zu wüten aufgehört hatte (1622). Das erste Bauwerk war somit offensichtlich eine, dem Beschützer vor der Pest, dem Hl. Sebastian geweihte Kapelle. Sie wurde nach der feierlichen Grundsteinlegung am 2. Juli 1623 im Jahre 1630 fertig gestellt. Zu jenem Zeitpunkt dürfte es den Kreuzweg mit sieben Stationen der Leidensgeschichte Jesu in der Form von sieben Kreuzwegkapellen gegeben haben. Heutzutage ist es äußert schwierig, genau zu rekonstruieren, wie der Kreuzweg ursprünglich ausgesehen hat. Es ist anzunehmen, dass außer der Kapelle des Hl. Sebastian, dem Glockenturm und dem Heiligen Grab auch Kreuzwegkapellen mit den heutigen Ordnungsnummern 1, 8, 10, 11, 12, 13, und 14 mit dazu gehört haben.

Danach sah der Heilige Berg lange Zeit gleich aus, bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hinein. In den Jahren 1750-1776 kamen weitere sieben Kreuzwegkapellen hinzu. Damit erlangte der Kreuzweg die damals bereits verbindliche Anzahl von 14 Stationen. Die neue Kreuzweganlage wurde am 1. September 1776 feierlich geweiht. Mit den Zubauten bekam sie ihr endgültiges Aussehen und besteht nunmehr aus insgesamt 17 gemauerten Objekten. Leider hat der fertig gestellte Komplex auf dem Heiligen Berg nur zehn Jahre lang seinen Zweck erfüllt. Unter der Herrschaft Josephs II. wurde der St. Sebastiankapelle im Jahre 1786 die Weihe wieder entzogen. Nicht nur die Kapelle selbst, auch der Kreuzweg hörte auf, den Gläubigen zu dienen. Die gesamte Bauanlage war für den Abbruch bestimmt. Dass sie nicht endgültig zerstört wurde, verdankt sie dem Umstand, dass sie im Privatbesitz der Familie von Dietrichstein stand. Diese hat sich entschlossen, die Objekte zu belassen und für Privatzwecke zu nutzen. Dennoch verfiel die Anlage mit der Zeit.

Erst mit dem Amtseintritt des Nikolsburger Propstes Augustin Bartenstein hat der Wallfahrtsort den längst verlorengegangenen Ruhm wieder erlangt. In den Jahren 1862-1865 wurde die Kreuzweganlage einschließlich des Glockenturms und der Sebastiankapelle saniert, um sie beim Fest Mariä Geburt (am 8. September) wieder einzuweihen, und um dadurch zwei Traditionen zu einem neuen Brauch zu verbinden. Denn seit 1865 wird der Kreuzweg auf den Heiligen Berg anlässlich der Wallfahrt zur Nikolsburger Schwarzen Madonna von Loretto zurückgelegt, deren kleine Statue ursprünglich in der Lorettokapelle der St. Annakirche (in der heutigen Dietrichsteingruft) aufgestellt war.

Bei dem besagten Fest wurde im Jahre 1865 die kleine Nikolsburger Madonna-Statue feierlich auf den Heiligen Berg getragen und seitdem besteht eine fast lückenlose Marienwallfahrtstradition, die bis jetzt nur einmal unterbrochen war, und zwar in der Zeit von 1938 bis 1945, als Wallfahrten verboten waren. Obwohl gegen Ende des Zweiten Weltkrieges der gesamte Kreuzweg stark in Mitleidenschaft geraten war, haben sofort nach Kriegsende Renovierungsarbeiten begonnen, sodass schon im September 1946 die erste auf den Heiligen Berg führende Wallfahrt der Nachkriegszeit stattfinden konnte. In diesem Jahr wurden dem Kollegiatkapitel des Hl. Wenzel in Mikulov auch die Vermögensrechte am Wallfahrtsgelände übertragen. Seitdem ist die Kirche für den Ort nicht nur geistlich, sondern als Eigentümerin auch rechtlich verantwortlich.


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