Mikulov

Die Heiligenhäuschen

Die Erbauung der Kapellen fand aller Wahrscheinlichkeit nach in zwei verschiedenen Zeitachsen statt. Aus einem Stich-Stadtbild aus dem Jahre 1673 lässt sich schließen, dass die vormalige Kreuzweganlage aus dem Jahre 1630 die Kapellen Nr. 1, 8, 10, 11, 12, 13 sowie 14 umfasst hatte. Mit Unterstützung durch die frommen Nikolsburger Bürger wurden darauf in den Jahren 1750-1776 die sechs „Felsenkapellen“ mit den heutigen Ordnungsnummern 2, 3, 4, 5, 6 und 7 sowie zuletzt knapp unter dem Gipfel auch die Kapelle Nr. 9 errichtet.

Die künstlerische Dekoration der einzelnen Kapellen fällt, soweit es sie heute noch gibt, in vier Zeitabschnitte. Die Bestückung der heutigen Kapellen 1-7 mit Statuen datiert um das Jahr 1700, das Wandfresko in der achten Kapelle stammt möglicherweise aus dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts, die Holzmalerei in der Kapelle Nr. 9 ist aus der Zeit 1862-1865 und das Wandfresko der elften Kapelle entstand im Jahre 1952.

Kapelle Nr. 1 – Jesus nimmt Abschied von der Jungfrau Maria
Sie gehört zur Anlage mit den einstigen sieben Kreuzwegstationen. Der Statuenschmuck wurde um das Jahr 1700 geschaffen und gibt die Abschiedsszene Christi von seiner Mutter wieder.

Kapelle Nr. 2 – Jesu Gebet in Gethsemane
Sie ist die erste der sechs „Felsenkapellen“, einer in den Fels gehauenen Anlage aus einer jüngeren Zeit, somit aus dem Jahre 1776. Die Bestückung mit Statuen geht auf ca. 1700 zurück und veranschaulicht den betenden Christus im Garten von Gethsemane.

Kapelle Nr. 3 – Die schlafenden Jünger in Gethsemane
Auch diese Kapelle zählt zu der Anlage der im Jahre 1776 dazugekommenen sechs „Felsenkapellen“. Die Statuenausstattung datiert um das Jahr 1700 und ist folglich ebenfalls älter. Die drei liegenden Statuen repräsentieren schlafende Apostel, die im Garten von Gethsemane hätten wachen sollen, während Jesus gebetet hat.

Kapelle Nr. 4 – Geißelung Jesu
Sie ist, nach den beiden zuvor genannten Stationen, die nächste der altersgleichen „Felsenkapellen“ mit derselben Geschichte des Statueninventars. Das Motiv der Statuengruppe zeigt, wie Jesus beim Verhör vor dem römischen Statthalter Pilatus gegeißelt wird.

Kapelle Nr. 5 – Jesus wird mit Dornen gekrönt
Diese Kapelle hat samt den Statuen dieselbe Herkunft wie die drei zuvor genannten. Die drei Statuen illustrieren, wie Jesus die Dornenkrone aufgesetzt, der Purpurmantel angezogen und ein Schilfrohr statt eines Zepters in die Hand gedrückt wird.

Kapelle Nr. 6 – Jesus wird verurteilt und verspottet
Sie ist die nächste Station der obigen „Felsenkapellenanlage“ mit einer wie zuvor datierenden Vollendung und Statuengestaltung. Eine Statue verkörpert den gefolterten Jesus, die andere eine unbekannte kniende Gestalt, wie sie Jesus verspottet.

Kapelle Nr. 7 – Jesus trägt das Kreuz.
Sie ist die letzte der im Jahre 1776 fertig gestellten „Felsenkapellen“. Die um das Jahr 1700 ausgeführte Statue bildet Jesus ab, wie er unter der Last des getragenen Kreuzes zusammenbricht.

Kapelle Nr. 8 – Jesus begegnet Veronika
Die Kapelle fällt unter die ehemalige, um das Jahr 1630 angelegte Kreuzweganlage und wurde anlässlich der Erweiterung des Kreuzweges im Jahre 1776 mit einem Wandfresko mit neuen ikonographischen Symbolen (Heiligenattributen usw.) ausgeschmückt. Die Malerei erinnert an die Begegnung zwischen Jesus und den Frauen von Jerusalem.

Kapelle Nr. 9 – Jesus fällt unter der Last des Kreuzes
Die aus der Zeit zwischen 1750–1776 stammende Kapelle war ohne Zweifel mit der für die neunte Station typischen Szene versehen. Darin fällt Jesus das dritte Mal unter der Last des Kreuzes. Anfänglich war das Motiv durch eine Wandmalerei versinnbildlicht, die jedoch den lang dauernden Verfall der Anlage nach ihrer Entweihung nicht überstanden hatte. Bei der Erneuerung des Kreuzwegs im Jahre 1865 hing man darin ein Bild, eine Holzmalerei mit demselben Motiv auf.

Kapelle Nr. 10 – Jesus wird seiner Kleider beraubt
Sie zählt zu den bereits im Jahre 1630 existenten Kreuzwegobjekten. Ihre ursprüngliche ikonografische Ausstattung blieb leider nicht erhalten. Heute wird sie von einer Wandmalerei geschmückt, deren Motiv die Darstellung Jesu ist, wie er seiner Kleider beraubt wird.

Kapelle Nr. 11 – Jesus wird ans Kreuz genagelt
Die Kapelle steht knapp unter dem Gipfel des Heiligen Berges und  zählt zu der früheren Anlage aus dem Jahre 1630. Den damaligen Schmuck traf offenbar das Schicksal der Kapelle Nr. 8. Ihr heutiges Interieur ist viel jünger, aus dem Jahre 1952 und ist das Werk des akademischen Malers Rudolf Gajdoš.

Kapelle Nr. 12 – Station der Schmerzhaften Mutter Maria
Sie zählt zu den erstmaligen Bauten aus dem Jahre 1630 und wird heutzutage zu Wallfahrtsgottesdiensten unter freiem Himmel genutzt. Leider hat sie die künstlerische Ausstattung eingebüßt.

Kapelle Nr. 13 – Jesus wird vom Kreuz abgenommen
Diese kleine Kapelle gehört gleichfalls zu den ursprünglichen, im Jahre 1630 vollendeten Kreuzwegobjekten. Derzeit ist die Kapelle mit dem Kreuzabnahmemotiv geschmückt.

Kapelle Nr. 14 – Auferstehung
Die Kapelle liegt als letzter Bau des Kreuzweggeländes hinter der Heilig-Grab-Kapelle und es gibt sie zusammen mit den einstigen Kreuzwegobjekten seit 1630. Da ihre ursprüngliche ikonografische Ausschmückung nicht erhalten geblieben ist, wurde sie mit einer Wandmalerei zum Auferstehungsthema verschönt.