Mikulov

Erneuerung der Brücke

Das Bauwerk ist insbesondere dank der heute nicht mehr erreichbaren Qualität der Arbeit der Mikulover Ziegelbrenner vom 17. Jahrhundert erhalten geblieben. Zwar wurde die Brücke im Laufe der Zeit instand gehalten, im Hinblick auf die Unzugänglichkeit des gesamten Gebietes während der 40 Jahre des totalitären Regimes kam es durch Einwirkung von angeflogenen Gehölzen, ihren Wurzelsystemen, aber auch in Folge von unerwünschten Eingriffen durch verantwortungslose Individuen zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der Baustruktur einiger Brückenteile. Ihre Renovierung, die in den Jahren 2019 bis 2020 im Rahmen des Portz Insel-Projekts verlief, kam also im letzten Moment.

Die Gesamtrenovierung war verhältnismäßig anspruchsvoll. Zu Beginn der Arbeiten war ein größerer Teil der Brücke mit Erdboden verschüttet und beinahe komplett von angeflogenen Gehölzen bedeckt. Es war also zuerst notwendig, die Brücke freizulegen. Das heißt, dass Erdboden rund um die Brücke abgetragen und angeflogene Bäume und Sträucher entfernt werden mussten. Ebenfalls musste die Fahrbahn vom abgelagerten Boden gereinigt werden. Erst dann konnte man zumindest teilweise den tatsächlichen Umfang von Schäden beurteilen.

Die eigentliche Renovierung der Brücke kann man in zwei Abschnitte aufteilen. Der erste Abschnitt war die Renovierung des erhaltenen ursprünglichen unteren Bereichs der Brücke unter dem Gesims auf der Fahrbahnebene, der andere Abschnitt umschloss eine Ergänzung der fast komplett fehlenden gemauerten Brüstung der Brücke. Bei der Erneuerung des unteren Brückenbereichs galt es, möglichst viele ursprüngliche Backsteine zu verwenden, die bei der vorsichtigen Bodenabtragung in der Nähe der Brücke entdeckt wurden. Diese Backsteine stammen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, sie wurden speziell für den Bau der Brücke angefertigt, und ihre Qualität ist sehr hoch. Die meisten trugen den N-Buchstaben (wie Nicolsburg). Die Ergänzung der fehlenden gemauerten Brüstung der Brücke erfolgte wegen mangelnder ursprünglicher Backsteine aus anderen älteren Backsteinen, die allerdings gegen Mitte des 19. Jahrhunderts angefertigt wurden. Die gemauerte Brüstung wurde in ihrer ursprünglichen historischen Höhe wiederhergestellt, und der bis zur Höhe von 110 Zentimeter fehlende Bereich wurde mit einem geschmiedeten Geländer ergänzt. Es handelt sich hiermit um ein einfach konstruiertes Stahlgeländer, das sich zu seiner gegenwärtigen Herkunft bekennt. Beim Blick auf die Brücke ist also auch für einen Laien ersichtlich, dass das Geländer nicht zur ursprünglichen Brücke gehört. Diese Lösung entspricht den Bedingungen der gültigen Gesetzgebung in Bezug auf einen sicheren Betrieb auf diesem Bauwerk und zugleich der Anforderung des Denkmalschutzes an die derzeitige Gestaltungsweise der historischen Brücke.

Die Arbeiten brachten eine Reihe von Überraschungen zu Tage. Beim Reinigen der Brückenbahn von Bodenablagerungen, die örtlich bis zu 50 Zentimeter hoch waren, wurde die ursprüngliche Kalkpflasterdecke entdeckt, die aus der Zeit der Errichtung der Brücke stammt (1. Hälfte des 17. Jahrhunderts). Diese Pflasterdecke wurde renoviert (fehlende Pflaster wurden ergänzt), um sie allerdings zu schützen, ist sie mit einer neuen Tennenoberfläche gedeckt. Im unteren Bereich der Gewölbebögen der Brücke wurden zahlreiche Risse entdeckt, die statisch abgesichert werden mussten. Auch die Steinpfeiler der Brücke zeigten deutlich mehr Beschädigungen als vorausgesetzt, und es war notwendig, die fehlenden behauenen Steine neu anzufertigen und einzufügen.

Nach Bodenaushub und -abtragung rund um die Brücke trat Grundwasser während der Arbeiten auf, das kontinuierlich abgepumpt werden musste. Im Winter, während der Arbeitsunterbrechung einschließlich Wasserhaltung, kam es dann zum Ausgleich des Pegelstandes in der Umgebung der Brücke mit dem Spiegel des Teichbaches, der unter der Brücke fließt und der in einer bestimmten Etappe der Arbeiten in einen provisorischen Graben verlegt werden musste. Es war also erforderlich, den Teil des Projekts anzupassen, der die Bachrückkehr in die ursprüngliche Rinne aus dem provisorischen Graben löste. Nach dieser Änderung entstand nach dem Abschluss von Arbeiten in der Umgebung der Brücke eine kleine ständige Wasserfläche, und die renovierte historische Brücke kann sich nun wieder im Wasser spiegeln.

Der Leitgedanke des Projektes war nicht nur die Rekonstruktion der Brücke, sondern auch ihre Zugänglichmachung für die Öffentlichkeit. In der Vergangenheit war die Brücke an ein Wegenetz angebunden, das allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg untergegangen ist. Während der Umsetzung des Portz Insel-Projekts wurden diese Wege wiederhergestellt und führen nun bis zur österreichischen Gemeinde Drasenhofen. Im Rahmen des Projektes wurde an diesem Standort ein Lehrpfad errichtet, der zu einer einfacheren Orientierung der Besucher beitragen soll.

Entdeckte ursprüngliche Kalkpflasterdecke

Entdeckte ursprüngliche Kalkpflasterdecke

Steinplatte, die bei der derzeitigen Renovierung der Brücke

Steinplatte, die bei der derzeitigen Renovierung der Brücke unter dem nach dem Abbau des hölzernen Zugbrückenfelds nachgemauerten Brückenbogen entdeckt wurde. Die Jahreszahl 1780 wird mit den C.F.V.D.-Buchstaben (Carl Fürst von Dietrichstein), also mit den Initialen des damaligen Herrschers, des Fürsten Karl Maximilian von Dietrichstein (1702 – 1784), begleitet.

Ursprüngliche Kalkpflasterdecke

Ursprüngliche Kalkpflasterdecke

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