Mikulov

Errichtung und Konstruktion der Brücke

Die Errichtung eines herrschaftlichen Jagdschlosses auf einem aus der Mitte des Portz-Teiches (der auch als Neuer Teich bezeichnet wird) herausragenden Kalkhärtling brachte auch die Frage nach Zugänglichkeit dieses von einer ausgedehnten Wasserfläche umgebenen Objektes aus dem Spätmittelalter mit sich. Eine Versorgung des Schlossbaus mit Einschränkung auf Materialtransport per Schiff ist hier kaum vorstellbar. Die Erwägungen, dass es hier bereits während des Baus des Lusthauses, vielleicht in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts, einen Zugang, also eine Brücke gab, über die man trockenen Fußes auf die Insel gelangen konnte, sind demzufolge durchaus sinnvoll. In historischen Quellen wird der Bau einer Backsteinbrücke auf der Portz Insel nicht näher spezifiziert, man kann sich lediglich die Frage stellen, ob es hier während des Baus des Lusthauses eine fertige Brücke gab, oder ob ihr ein näher unbekanntes Holzprovisorium vorausging.

Die Brücke wurde an der engsten Teichpartie erbaut, trotzdem hat sie eine beachtliche Länge von 95 Metern und misst 3,70 Meter in der Breite. Fünfzehn halbkreisförmige Brückenbögen aus Backstein sind mit Brückenpfeilern mit beiderseitig pyramidenförmigen Schneiden verbunden. Die Brücke wird gesäumt mit einer 75 Zentimeter hohen Brüstungsmauer. Die gemauerten Randbrückenabschnitte sind mit kurzen offenen Flügeln und dekorativ gestalteten Prellsteinen an den Enden abgeschlossen. Das zehnte Feld von Süden wurde ursprünglich mit einer hölzernen klappbaren Fahrbahn versehen – ihre Existenz ist noch in Karteabbildungen aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts belegt. Bald danach wurde sie abgebaut und der Bereich ausgemauert. Während der Rekonstruktionsarbeiten, bei den auch eine archäologische Untersuchung durchgeführt wurde, haben Spezialisten eine Kalkstein-Feinkiesschicht mit einer Korngröße von 5 bis 10 cm entdeckt, die unter der Pflasterung lag. Die Brücke weist eine sehr durchdachte Konstruktionslösung auf. Für die Pfeiler unter- und teilweise oberhalb der Wasserfläche wurden große behauene Steinblöcke eingesetzt, für die restlichen Bereiche Backstein. Die Brückenbögen erweitern sich in Fußrichtung auf die doppelte Breite, an ihren Gipfeln wurden die vor die Wange versetzten Backsteine in einem dekorativen Wölbstein behauen. Die pyramidenförmige Schneideform erzielte man ebenfalls durch finales Behauen des Backsteinmauerwerks. Auch die Lösung der Fahrbahnentwässerung mittels Dränöffnungen, die mit kleinen bogenförmigen Dachsteinen (Rinnen) ausgelegten sind, ist einzigartig und erhalten geblieben.

Historischer Plan mit Darstellung

Historischer Plan mit Darstellung ihrer ursprünglichen Gestaltung noch mit dem hölzernen Zugfeld. Quelle: MZA in Brünn, Fonds F 18 Hauptregistratur, Dietrichsteiner in Mikulov, Historische Karte der Brücke mit Darstellung ihrer ursprünglichen Gestaltung mit dem hölzernen Zugfeld, nicht datiert, Karte 107.

3D-Modell der Brücke

Ausschnitt aus dem 3D-Modell der Brücke, das mit einem Lasar-Scanner im Rahmen ihrer archäologischen Untersuchung im Jahre 2019 angefertigt wurde. Das Scanning wurde zur Erfassung des Erhaltungsumfangs der ursprünglichen Brückenkonstruktionen vorgenommen. Auf dem ersten Brückenbogen von links ist eine Gewölbenachmauerung anstelle der ursprünglichen hölzernen Zugbrücke ersichtlich.

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