Mikulov

Wissenswertes zum Bauwerk

Nur zum Vergleich – die Thaya-Brücken in der jeweiligen Herrschaft, aber auch in der benachbarten Liechtensteiner Domäne bestanden noch im 19. Jahrhundert aus Holz – nur in Ausnahmen waren die eingesetzten Materialien kombiniert, wie zum Beispiel bei der Spätbarock-Brücke in Bulhary. Der Architekt hat nicht nur auf die optische Wirkung der Brücke geachtet, sondern auch ein Feld mit der hebbaren Fahrbahn vorgesehen und durch dieses Element der Schutzarchitektur den Eindruck eines festungsartigen Charakters des Standortes erweckt, was mit den terrassenartigen Mauern rund um das Lusthaus korrespondierte. Es handelt sich um ein ausgereiftes Ingenieurwerk, und es stellt sich die Frage, ob der Autor dieser wertvollen Brücke nicht einer der norditalienischen Festungsbauern bzw. -architekten war, die damals in Diensten von bedeutenden, politisch engagierten aristokratischen Auftraggebern in Böhmen und Mähren standen.

Die Mikulover Herrschaft verfügte über Steinbrüche an unterschiedlichen Orten. In den Urbaren vom 17. Jahrhundert sind 13 Steinbrüche erwähnt, in denen die für den Bau der Brücke, ihre Pflasterung sowie Fahrbahnspundung erforderlichen Konstruktionselemente angefertigt werden konnten. In der Nähe von Mikulov bzw. des Lusthauses auf der Portz Insel wurde vor allem Kalkstein gewonnen. Eine belegte lokale Herkunft hatten ebenfalls die beim Bau eingesetzten Backsteine, die eine Kennzeichnung mit dem N-Buchstaben (Nicolsburg) trugen. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es in Mikulov lediglich eine Backsteinhüte, die allerdings mit ihren drei Backsteinöfen für ihre Zeit ungewöhnlich groß war. Die vorhandene technische Einrichtung der Ziegelei erlaubte auch Kalk zu brennen, der dann zur Mörtelvorbereitung beim Bau der Brücke eingesetzt wurde. Mitte des 17. Jahrhunderts, vermutlich wegen der Folgen des Dreißigjährigen Krieges, waren hier nur noch zwei Backsteinöfen in Betrieb: der erste fertigte 24 000, der andere 19 000 Backsteine bei einem Brennvorgang. Weitere Backsteinöfen gab es in benachbarten Dörfern der Domäne, zum Beispiel in Dolní Věstonice, Sedlec bei Mikulov, Bulhary und Pavlov.

Barock-Backsteine aus aufgelockerten Konstruktionen der Brücke

Barock-Backsteine aus aufgelockerten Konstruktionen der Brücke wurden bei ihrer Rekonstruktion wieder eingesetzt. Sie tragen eine Kennzeichnung mit dem N-Buchstaben (Nicolsburg).

Der vor Beginn der derzeitigen Brückenrekonstruktion

Der vor Beginn der derzeitigen Brückenrekonstruktion entdeckte ursprüngliche Radstößer.

Werbung