Mikulov

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BeispielbildVon der Existenz einer landesherrschaftlichen Burg an der Grenze zwischen Mähren und Niederösterreich läßt sich ab dem zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts ausgehen. Im Jahr 1249 wurde die offensichtlich noch nicht fertiggestellte Burg durch Přemysl Otakar II. als Lehen an Heinrich von Liechtenstein vergeben und wurde so zum Ausgangspunkt des späteren umfangreichen Familienbesitzes. Unter den ersten Liechtensteinern kam es bis zum Ende des 13. Jahrhunderts zur Fertigstellung der Burganlage durch Errichtung des Rundturms an der Spitze der nördlichen Vorburg, den Aufbau einer starken Außenmauer und die Umgestaltung des Burgpalas. Auf einem Felsblock zwischen dem ersten und dem zweiten Innenhof entstand ein schlanker Rundturm, in dem vor 1380 die Kapelle der Jungfrau Maria und des hl. Johannes des Evangelisten eingerichtet wurde. Im Jahr 1402 wurde Wenzel IV. nach seiner Flucht aus der Wiener Gefangenschaft kurzfristig auf der Burg bei Johann II. von Liechtenstein beherbergt.

Nikolsburg stellte den Hauptsitz des Geschlechts der Liechtensteiner dar, und daher wurde die Burg unablässig umgebaut, um der zeitweilig sehr zahlenstarken Familie eine bequeme und ausreichend repräsentative Unterkunft gewähren zu können. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstand der heutige erste Innenhof mit seinem eckigen Turm, und etwas später kam der sogenannte Räucherturm hinzu. Zu einer grundlegenden Umgestaltung kam es vor der Mitte des 16. Jahrhunderts durch den Bau vier hoch aufragender Bastionen im Stil der Frührenaissance, die später zur weiteren Ausweitung des Schlosses genutzt wurden. Ein verschwenderischer Lebensstil und nicht allzu gutes Wirtschaften zwangen Christoph IV. von Liechtenstein 1560 zum Verkauf der gesamten Nikolsburger Herrschaft für 60 000 Taler an László Kerecsényi von Kányaföld, doch bereits nach dessen Sohn starb dieses Geschlecht aus, und die gesamte Herrschaft fiel an die kaiserliche Hofkammer.

BeispielbildIm Jahre 1575 ging die freigewordene Herrschaft als Schenkung Kaiser Rudolfs II. an Adam von Dietrichstein (1527-1590), den Gesandten des kaiserlichen Hofs in Rom und Madrid. Dessen Nachfahren besaßen Mikulov bis 1945. Ihre größte Blüte erlebte die Stadt unter der Herrschaft von Adams Sohn Franz Xaver, Kardinal und Bischof von Olmütz (1570-1636), der unter anderem auch das bestehende Renaissanceschloß umbauen ließ. Anstelle der nördlichen Bastion entstand der Ahnensaal, eine Änderung erfuhr auch der Zugang zum Schloß, im ersten Innenhof entstand der Bau des Schloßtheaters, und nach dem Vorbild der Nordbastion wurden auch die westliche und südwestliche bebaut. In den Jahren des Dreißigjährigen Kriegs wurde das Schloß zweimal von feindlichen Soldaten eingenommen – 1620 von der Armee der aufständischen Stände und 1645 von den Schweden –, was natürlich immer auch Schäden an Bauten und Mobiliar bedeutete. Weitere größere Umbauten veränderten die Gestalt des Schlosses in der zweiten Hälfte des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Die fast vollendeten Bauarbeiten machte am 10. August 1719 ein Großbrand zunichte, nach dem das Schloß im Grunde neu aufgebaut werden mußte. Alle Bauten erhielten die gleiche Höhe, die Anordnung der Stockwerke war völlig neu, und hinzu kamen das Gebäude der Reitschule nach einem Entwurf von F. A. Grimm und der Gartentrakt zwischen der Süd- und der Südwestbastion mit einer Sala Terrena im Erdgeschoß. An der Ausgestaltung der Interieurs waren herausragende Künstler beteiligt, in erster Linie der Maler A. J. Prenner, der Bildhauer Ignaz Lengelacher, von dem auch die Statuen am Weg zum Schloß stammen, und der Kunstschlosser H. G. Forster, der u. a. das zweiflüglige geschmiedete Tor zum Schloßgarten geschaffen hat. In dieser Gestalt empfing das Schloß im Jahr 1805 den französischen Kaiser Napoleon I., der es sich ursprünglich für die Friedensverhandlungen nach der Schlacht von Austerlitz ausgewählt hatte. Im 19. Jahrhundert kam es zu weiteren wesentlichen Veränderungen am Schloß, vor allem durch die Umgestaltung des Ehrenhofes und seine Abgrenzung gegenüber dem Stadtplatz. Im Jahr 1866 wurde auf dem Schloß, das damals dem österreichischen Außenminister Alexander von Mensdorff-Pouilly gehörte, nach der verlorenen Schlacht bei Königgrätz der Waffenstilstand zwischen Österreich und Preußen geschlossen. Eine wohl noch größere Katastrophe als 1719 ereilte das Schloß im April 1945, als unter nicht ganz geklärten Umständen ein gewaltiger Brand ausbrach und fast die ganze Anlage bis auf die Grundmauern abbrannte. Drei weitere Jahre verfiel die Brandstätte weiter, bis schließlich 1948 auf Initiative des Vereins zur Instandsetzung des Mikulover Schlosses mit der Rekonstruktion der Flächen um das Schloß und dann 1951 mit dem Wiederaufbau des eigentlichen Schlosses nach einem Projekt des Architekten Otakar Oplatek begonnen wurde, der Anfang der sechziger Jahre abgeschlossen wurde. Die geretteten Überreste des Mobiliars wurden im Schloß belassen, das zum Sitz des Regionalmuseums wurde. Unversehrt blieb bei beiden Bränden das einzigartige Riesenfaß für den Weinzehnten aus dem Jahr 1643 mit seinem Fassungsvermögen von 1010,18 hl.