Mikulov

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BeispielbildVon den vielen Nikolsburger Synagogen blieb nur die so genannte, durchaus ins 15. Jahrhundert datierbare „Obere Synagoge“ erhalten. Das heutige, aus der Mitte des 16. Jahrhunderts (1550) stammende Synagogengebäude wurde wegen der notwendigen Orientierung in alle Himmelsrichtungen schräg zur Straße errichtet. Nach dem Brand im Jahre 1561 erfolgte eine Umgestaltung des damals als Alt-, Groß- oder Domsynagoge bezeichneten Versammlungs- und Gotteshauses. Die damals größte Veränderung erfuhr es durch den Zubau einer einsäuligen Loggia an der Ecke zur Hauptstraße. Weitere Umbauten wurden in den Jahren 1688-1689 in Angriff genommen, als aus Kapazitätsgründen südseitig im Parterre ein im Grundriss dreieckiger Frauengebetsraum mit einem eigenen Eingang dazugebaut werden musste. Durch den Großen Stadtbrand im Jahre 1719 wird die Synagoge allerdings stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Wiederaufbau dauerte bis 1723 und war ganz von der damals neuen barocken Idee getragen. Es wurden nur die Außenmauern belassen, auf die vier Kuppeln gesetzt wurden. Die Glaskuppeln wurden von einem aus vier Säulen bestehenden Mittelpfeiler gestützt. Ganz neu war der innere Liturgieraum konzipiert. Am Umbau war offensichtlich der Architekt der gleichzeitig vorgenommenen Schlossumbauten Johann Christian Oedtl beteiligt. Zugleich wurde auch der Innenraum der Synagoge mit Malereien und barocken Stuckaturen sehr reich verziert.

Der letzte Umbau fand im Jahre 1819 statt, nachdem es wieder zu einem Brand gekommen war. Damals wurden neue Fenster an Stelle der beschädigten montiert. Kleinere bauliche Eingriffe fanden zuletzt in den Jahren 1840 und 1892 statt. Südlich der Synagoge wurde der sog. Gemeindehof eingerichtet, den seit 1837 eine Ziegelmauer trennte. Nachdem die Wehrmacht im Oktober 1938 das Grenzgebiet besetzt hatte, hörte kurz danach die widmungsgemäße Verwendung der Synagoge auf. Im Jahre 1960 erwarb der Staat das Eigentum an der Synagoge, die jedoch weiter verfiel. In den 70er und 80er Jahren nahm der neue Inhaber, der spätere Eigentümer, das Regionalmuseum Mikulov eine langwierige Renovierung in Angriff. Seit den beginnenden 90er Jahren nutzt das Museum die Synagoge gelegentlich zu Konzerten und Ausstellungen. Die jüngst komplett renovierte Synagoge beherbergt nun eine Ausstellung mit dem Titel "Rabbi Löw und jüdischen Bildung in Mähren".