Kreuzweg auf den Heiligen Berg
- Rettung der Kreuzwegkapellen auf dem Heiligen Berg in Mikulov
- Die Heiligenhäuschen
- St. Sebastiankirche
- Der Glockenturm
- Heiliges Grab
Der Kreuzweg auf den Heiligen Berg in Mikulov gehört nicht nur zu den ersten Wallfahrtsorten Südmährens, sondern ist in den tschechischen Ländern der älteste überhaupt. Durch ihn hat die Stadt Mikulov ein prächtiges Wahrzeichen. Nun bedarf er einer umfassenden Renovierung, ohne die der Kreuzweg für die nachfolgenden Generationen nicht erhalten bleibt. Auch Sie können sich an diesem Projekt zur Rettung der Kreuzwegkapellen auf dem Heiligen Berg beteiligen.
Die Tradition reicht bis in das beginnende 15. Jahrhundert hinein. Schon damals wurden die ersten Kreuzwege errichtet, um zu veranschaulichen, wie Jesus Christus auf seinem Weg unter dem Kreuz gelitten hat. Zunächst war die Anzahl ihrer Stationen sehr uneinheitlich. (Es gab 7 aber auch 31 Stationen.) Gefestigt hat sich sein heutiges Aussehen mit 14 Stationen erst im 17. Jahrhundert in Spanien, von wo es sich über andere Länder ausbreitete.
Der Kreuzweg von Mikulov, deutsch Nikolsburg, verdankt Entstehung dem Olmützer Bischof Franz Seraph von Dietrichstein (1570-1636), einem Adeligen, der zugleich die Nikolsburger Herrschaft innehatte. Dieser ließ ihn oberhalb von Mikulov, auf dem damaligen Tanzberg anlegen, der seitdem Heiliger Berg heißt, um damit die Dankbarkeit gegenüber Gott dafür ausdrücken, dass die Pest zu wüten aufgehört hat, die Mikulov im Jahre 1622 heimgesucht hatte. Logischerweise war das erste Bauwerk eine, dem Beschützer vor der Pest, dem Hl. Sebastian geweihte Kapelle. Sie wurde nach der feierlichen Grundsteinlegung am 2. Juli 1622 im Jahre 1630 fertig gestellt. Zu jenem Zeitpunkt dürfte es den Kreuzweg bereits zum Teil, d.h. sieben Stationen der Leidensgeschichte Jesu in der Form von sieben Kreuzwegkapellen gegeben haben. Die Zahl sieben war damals üblich, um das Leiden Jesu darzustellen. Heutzutage ist es äußert schwierig, genau zu rekonstruieren, wie der Kreuzweg ursprünglich ausgesehen hat. Es ist anzunehmen, dass außer der Kapelle des Hl. Sebastian, dem Glockenturm und dem Heiligen Grab auch Kreuzwegkapellen mit den heutigen Ordnungsnummern 1, 8, 10, 11, 12, 13, und 14 mit dazu gehört haben. Die Bauanlage wurde im Jahre 1692 durch die Rosalienkapelle ergänzt, die am anderen Ende des vom Norden auf den Heiligen Berg führenden Weges steht.
Danach sah der Heilige Berg lange Zeit gleich aus, bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hinein. In den Jahren 1750-1776 kamen weitere sieben Kreuzwegkapellen hinzu. Damit erlangte der Kreuzweg die damals bereits verbindliche Anzahl von 14 Stationen. Die neue Kreuzweganlage wurde am 1. September 1776 feierlich geweiht. Mit den Zubauten bekam sie ihr endgültiges Aussehen und besteht nunmehr aus insgesamt 18 gemauerten Objekten. Leider hat der fertig gestellte Komplex auf dem Heiligen Berg nur zehn Jahre lang seinen Zweck erfüllt. Unter der Herrschaft des Josephs II. wurde der St. Sebastiankapelle im Jahre 1786 die Weihe wieder entzogen. Nicht nur die Kapelle selbst, auch der Kreuzweg hörte auf, den Gläubigen zu dienen. Die gesamte Bauanlage war für den Abbruch bestimmt. Dass sie nicht endgültig zerstört wurde, verdankt sie dem Umstand, dass sie im Privatbesitz der Familie von Dietrichstein stand. Diese hat sich entschlossen, die Objekte zu belassen und für Privatzwecke zu nutzen. Dennoch verfiel die Anlage mit der Zeit.
Erst mit dem Amtseintritt des Nikolsburger Propstes Augustin Bartenstein hat der Wallfahrtsort den längst verlorengegangenen Ruhm wieder erlangt. In den Jahren 1862-1865 wurde die Kreuzweganlage einschließlich der Sebastiankapelle und des Glockenturms saniert, um sie beim Fest Mariä Geburt (am 8. September) wieder einzuweihen, und um dadurch zwei Traditionen zu einem neuen Brauch zu verbinden. Denn seit 1865 wird der Kreuzweg auf den Heiligen Berg anlässlich der Wallfahrt zur Nikolsburger Schwarzen Madonna von Loretto zurückgelegt, deren kleine Statue ursprünglich in der Lorettokapelle der St. Annakirche (in der heutigen Dietrichsteingruft) aufgestellt war.
Bei dem besagten Fest im Jahre 1865 wurde die kleine Nikolsburger Madonna feierlich auf den Heiligen Berg getragen und seitdem besteht eine fast lückenlose Marienwallfahrtstradition, die bis jetzt nur einmal ausgesetzt war, und zwar in der Zeit von 1938 bis 1945, als Wallfahrten verboten waren. Obwohl gegen Ende des Zweiten Weltkrieges der gesamte Kreuzweg stark in Mitleidenschaft geraten war, haben sofort nach Kriegsende Renovierungsarbeiten begonnen, sodass schon im September 1946 die erste Wallfahrt der Nachkriegszeit auf den Heiligen Berg stattfinden konnte. In diesem Jahr wurden dem Kollegiatkapitel des Hl. Wenzel in Mikulov auch die Vermögensrechte am Wallfahrtsgelände übertragen. Seitdem ist die Kirche für den Ort nicht nur geistlich, sondern als Eigentümerin auch rechtlich verantwortlich.
